Freies Radio Salzkammergut

Cinerock: "Sterzinger Experience" - in Ebensee

3 Feb 2012 - 20:30

Cinerock: "Sterzinger Experience"

 

Stefan Sterzinger ist kein Unbekannter im österreichischen
Musikleben. Mit seiner Band Franz Franz & The Melody Boys sorgte er bereits
in den achtziger Jahren für Furore. Nun hat er – seinen eigenen Worten
zufolge – einen "gänzlich neuen Sound im Rock´n Roll" im Sinn,
"der so tut, als hätte es ihn immer schon gegeben.“ Es handelt sich
um ein Klangbild mit Pop-Anspruch, fest verwurzelt in der europäischen
Tradition und in den künstlerischen Biographien der einzelnen MusikerInnen.
„Die Textarbeit spielt mit den Stereotypen des vorigen Jahrhunderts und
lässt sie hinter sich. Klangbild und Spielstil changieren mit Leichtigkeit
zwischen beispielsweise Udo Jürgens, Johnny Cash und eigenen Songs, obwohl die
Covers irgendwie knapp am Original sind. Das gefällt mir sehr."

Man könnte es auch plakativer formulieren: ich habe die
Zukunft des Wienerlieds gesehen, und sie heißt Sterzinger Experience. Denn was
der 53jährige Entertainment-Veteran aus seinen Ganglien zaubert und parallel
dazu aus seiner Quetsch’n, definiert ein ganzes Genre neu. Postmodern.
Zeitgemäß. „Seinen Auftritt einfach als eine Darbietung von Wienerliedern
der Gegenwart zu beschreiben, wäre zwar nicht falsch, aber treffend beschreiben
würde man seine Musik, seine Geschichten und seinen Vortrag dadurch
nicht“, merkte ein Berliner Journalist an. Und griff zu Etiketten wie
„Dada-Chanson“, „Schmäh-Tango“ oder
„alpenländischer Operetten-Folk“. Nachsatz: „Die verbreitete
Stimmung ist zu stark durch intelligente Ironie und subtile Herzlichkeit dem
Publikum gegenüber geprägt, um in dumpfe Dauermelancholie oder gar Misanthropie
zu verfallen.“

Dass die Sterzinger Experience – so nennt sich die
aktuelle personelle Konfiguration – ausgerechnet beim Wiener
Akkordeonfestival die Premiere ihrer Erstlings-CD „Rock’n
Roll“ feiert (in einem Doppelkonzert mit dem Martin Lubenov Orchester),
ist natürlich kein Zufall. Mit Lothar Laesser und Martina Winkler wird
Mastermind Stefan Sterzinger von zwei weiteren Quetsch’n-Profis
flankiert, Franz Schaden am Bass und Jörg Mikula am Schlagzeug legen ein
swingendes Fundament. Und dann wäre da noch der Geiger Alexander Gheorghiu
– er liefert das Schmalz, die Süße, den finalen Zuckerguss. Sterzinger
Experience steht es gut, die Wiener Attitüde zu bemühen, um diese in ihrer
Klischeehaftigkeit gleich wieder zu durchbrechen. Nicht zuletzt, indem ihr
Hauptakteur zwischendurch auch mal Wienerlieder mit englischem Akzent singt.
Zelebriert werden eigene Kompositionen, Neuvertonungen und Covers zwischen Hans
Werner und Konrad Bayer, H.C. Artmann und Hans Hölzel alias Falco.
„Extended Schrammelklang“ ist ein programmatisches Zauberwort,
Rock’n Roll ohne Coca Cola die Formel und „Crossover“ schon
lange kein Thema mehr.

In ein und demselben Stück der Sterzinger Experience
erklingen Klassik und Breakbeats, Improvisation und Country, Jazz und
Heurigenlied. Wenn man sich darauf einlässt, ist man rettungslos verloren.
Dabei wirken der Meister und sein Ensemble bei ihren Höllenritten ganz zwanglos:
„Sterzinger spielt nicht. Mal arbeitet er die Worte, die Töne, die
Aussage unter Stirnschweiß aus sich und seinem Instrument heraus, mal scheint
er in aller Leichtigkeit er selbst zu sein und teilt sich und seine Inhalte dem
Publikum mit, indem er einfach plaudernd musiziert.“ Hinterhältig.
Charmant. Leichtfüßig. Wunderbar.

Ort: Kino Ebensee

Beginn: 20.30